Ein Aufschrei ging durch die USA: Politik, Medien und Historiker schlachteten Stones Werk schon während der Drehbuchphase. Seine Verschwörungstheorie, die er im Film an zahllosen Indizien nachweist, wollte niemand hören und tatsächlich machte Stone den Fehler, seinen Präsidenten Kennedy allzu kritiklos zu feiern. Daher fiel die Kritik seiner Gegner nicht schwer. Was nun tatsächlich wahr ist und was nicht, ist nach wie vor ungeklärt. Viele wichtige Akten zum Fall schlummern in den fest verschlossenen Kellern der Geheimdienste.
Was bei all dem Geschrei übersehen wurde ist, wie atemberaubend Stone die Geschichte erzählt. Seine Technik der schnellen Schnitte, die er hier zur Perfektion trieb, ließ dem Zuschauer keine Denkpause. Wer nicht von Anfang an bei der Sache ist, verliert irgendwann den Faden und steigt entweder aus oder glaubt unhinterfragt alles, was Stone ihm vorsetzt.
Rein filmtechnisch ein Meilenstein --Stones Dauer-Kameramann Robert Richardson leistet wieder ganze Arbeit-- aber im gesamthistorischen Kontext gesehen, bleibt "JFK" ein fragwürdiger, weil den Zuschauer gnadenlos manipulierender Film.
Ungeachtet all der Kritik wurde der Film in acht Kategorien für den OSCAR nominiert. Robert Richardson (Kamera) bekam ihn schließlich ebenso wie Joe Hutching und Pietro Scalia (Filmschnitt). Hutching darf sich bei Stone bedanken, für zwei Stone-Filme den OSCAR bekommen zu haben --auch für seinen Schnitt an "Geboren am 4. Juli" hatte Hutching den Goldjungen bereits bekommen.
Jim Garrison übrigens, der Staatswanwalt New Orleans, dessen Erinnerungen Stone in weiten Teilen folgt, und den Kevin Costner im Film spielt, taucht selbst in einer kleinen Nebenrolle auf...
Die Filme von Oliver Stone