Eine vezweifelte Liebesgeschichte vor dramatischem, historischem Hintergrund... geschickt haben die Produzenten mit Hilfe gewogener Medien den Bezug zum Erfolgsfilm "Titanic" geknüpft. Wer daran --durchaus berechtigte-- Zweifel hat, begründe das mit dem einfachen Satz: "Der Stützpunkt Pearl Harbor versinkt nicht im Meer; zieht seinen Protagonisten nicht den Boden unter den Füßen weg!".
Dem 3-Stunden-Epos liegt ein gutes Drehbuch zugrunde, das Randall Wallace ("Braveheart" - 1995) geschrieben hat. Seine erste Fassung schrieb er, ohne sich mit irgendwelchen historischen Gegebenheiten des Dramas von Pearl Harbor zu befassen. Er sagt: "Ich möchte zuerst wissen, warum ich eine Geschichte erzählen soll, bevor ich mich entscheide, wie ich sie erzähle. Und dieses Warum hängt mit den Figuren zusammen. Wenn man weiß, warum jemand in den Krieg zieht, wenn man weiß, wen sie lieben und wie sie lieben, dann kennt man sie. Dann kann man immer noch herausfinden, ob sie P-40s geflogen sind oder ob sie Lederhelme oder -brillen getragen haben. Aber wenn man sich darüber schon zu Beginn der Arbeit den Kopf zerbricht, dann ist man auf dem Holzweg." Im Vergleich zur "Titanic" liegt die Lovestory hier ein wenig brach. Produzent Bruckheimer hat noch nie Wert gelegt auf detailierte Charakterzeichnungen. Es stellt dem Zuschauer hier lediglich die Frage, wer von den beiden Boys wohl sterben wird, damit die Liebe wieder rein sein darf. Das ist etwas ärgerlich, aber bei einem 135-Millionen-Dollar-Budget dann vielleicht auch nicht zu vermeiden --es sei denn, man ist James Cameron.
Regisseur Michael Bay beweist mit "Pearl Harbor", dass er nicht über den langen Atem verfügt, den so ein Epos verlangt. Nachdem er als Werbeclipfilmer alle wichtigen Preise (Goldener und Silberner Löwe etc.) gewonnen hatte, hießen seine großen Erfolge im Kino "Bad Boys - Harte Jungs" oder "The Rock". Harte Action mit cooloen Dialogzeilen und Pyrotechnik sind sein Gebiet. Die Zeichnung der Hauptcharaktere, der Aufbau romantischer Situationen gemischt mit Pathos, sind ihm misslungen: Alles witzig, alles cool und Bay kann von Glück sagen, dass das Drehbuch gestimmt hat und die Besetzung funktioniert. Kate Beckinsale ist ein Traum, Ben Affleck überraschend gut und Josh Hartnett der Newcomer der Saison.
Die meisten der männlichen Darsteller mussten erst einmal ein Trainingscamp absolvieren. Ben Affleck: "Ich dachte, wir lernen salutieren und so was. Aber dann war es eher so, wie der Anfang von 'Full Metal Jacket'. Und ich habe die erste Pinkelrinne meines Lebens geschrubbt."
Die monatelangen Dreharbeiten in Texas, im mexikanischen "Titanic"-Studio und an Originalschausplätzen auf Hawaii verliefen ohne ohne größere Zwischenfälle. Ein Stuntpilot brach sich bei einer Bruchlandung allerdings ein Handgelenk.
Jerry Bruckheimer, Produzent und bekannt für großes Krawumm-Kino ("The Rock", "Con Air", "Armageddon") entgegnet Kritikern, die seinem Film wahlweise Verharmlosung oder Verherrlichung der damaligen Vorgänge vorwerfen: "Es ist kein Dokumentarfilm und wird nie auf dem History-Channel laufen."