Godzilla - King of Monsters

--unsterblicher Kino-Mythos--

Feuer frei
+++von Monstern und Menschen+++
Der Ur-Godzilla 1954THOMB! ... THOMB! ... THOMB! Die Erde bebt, Fensterscheiben zittern und anfälliges Gemäuer geht vorsichtshalber schon vorher zu Bruch. Dazwischen ein Gewühle und Gewimmel. Hysterische Menschenmassen rennen und flüchten, ans Retten denkt keiner mehr.

Er kommt! 80 Meter hoch, 60.000 Tonnen Lebendgewicht. Der unangefochtene Schwergewichtsmeister.

Ein Supergigant aus Schuppen und Knochenplatten, der mit seinen wuchtigen Pranken nicht nur mühelos Wolkenkratzer abreißt, sondern dank radioaktiven Feueratems jeden Hilfsdrachen vor Neid erblassen läßt.
Waffenstrotzende Düsenjets klatscht er einfach vom Himmel, für Laserkanonen hat er höchstens ein kurzes Grunzen übrig und Panzerkolonnen pflegt er gar nicht erst zu beachten.

Ghidora und GodzillaDie Rede ist vom König der Monster, vom ungeschlagenen Champion, vom Größten der Großen, kurz: von Godzilla!

Wer ihn auf die Matte legen wollte, mußte sich schon was ganz besonderes einfallen lassen. Und selbst dann war der Sieg nur von kurzer Dauer. Godzilla war -und ist- einfach nicht kleinzukriegen. Ganz im Gegenteil: im Laufe der Zeit wuchs er über sich selbst hinaus.

Nicht nur, daß er immer größer wurde und schließlich die 100-Meter-Marke übersprang.

Er entwickelte auch ganz neue Leidenschaften wie Thai-Boxen, Fußball und Tennis -alles in größerem Maßstab, versteht sich. Einmal gelang ihm sogar ein eleganter Gleitflug über die japanische Walachai. Und 1966 durfte er dann schmachtend einem nur leicht bekleideten Mädchen tief in die Augen blicken.

ZweikampfAls er anfing, 1954, war er noch schwarz-weiß und die verspätete Antwort auf den amerikanischen Ur-Monster-Mythos 'King Kong', der seine "weiße Frau" schon 1933 kräftig erschreckt hatte.

Die japanischen TOHO-Studios hatten Großes vor, wollten ihre Filme endlich weltweit vermarkten -leider war das mit den japanischen Mythen nur schwer möglich.

Niemand im Westen konnte so recht verstehen, warum sich edle Samurai gleich umbringen mußten, wenn ihnen was daneben ging. Diverse Dynastien, schwer erklärbare Mythen aus einer uralten Tradition... dies alles war auf dem Weltmarkt "Kino" eher hinderlich.

Und so gingen die TOHO-Leute daran und produzierten sowohl den kunstvollen 'Die sieben Samurai', eine Retter-Story, von der man annahm, daß sie auch im Westen funktionieren müsse (was sie tatsächlich tat, er bekam sogar den Hollywood-Segen, als John Sturges 1960 die Story als Vorlage für seinen Klassiker 'Die glorreichen Sieben' nutzte), als auch -quasi für gröbere Gemüter- "irgendwas mit Monstern".

WandlungenIrgendein gigantischer Oktopus sollte es werden, Regie führen sollte Inoshiro Honda, Hausregisseur der TOHO-Studios. Es kam anders, zumindest, was des Monsters Aussehen angeht. Ausgerechnet Ray Harryhausen, Trickfilmpionier aus Hollywood, der mit einer Monsterechse in "Panik in New York" den Filmtrick revolutioniert hatte ("Stop-Motion") gab die entscheidende Geburtshilfe: Mit "It came from beneath the Sea" nahm er das Octopus-Monster vorweg -sonst hätte wirklich nicht viel gefehlt und das TOHO-Monster wäre als Riesenkrake zur Welt gekommen (Roland Emmerich hat in seinen Godzilla denn auch prompt eine Szene aus "It came from beneath the Sea" eingebaut).

So also entschied man sich in Japan für die Monsterechse, die aber -getreu fernöstlicher Mythologie- mehr einem Drachen als einem "richtigen" Saurier ähneln sollte.

Die Arbeiten am Design des Giga-Alptraums gingen zügig voran. Was Produzent Tomoyuki Tanaka noch fehlte, war ein zugkräftiger Name. Lediglich das "G" stand schon fest. Den Rest soll Tanaka von einem Bekannten eingeflüstert bekommen haben: "Gojira".

Der Legende nach wurde so ein hünenhafter Arbeiter der TOHO-Studios gerufen. Andere Quellen berichten, Tomoyuki Tanaka sei ganz allein auf den Namen gekommen -eine semantische Mixtur aus den Begriffen "Gorilla" und dem japanischen Ausdruck für "Wal" ("Kujira")... also sei das Ungeheuer aus dem Meer quasi ein Gorilla-Wal.

eines von hunderten PlakatmotivenNun standen also schreckenerregendes Aussehen und der respekteinflößende Name. Was fehlte, war die akustische Visitenkarte!

So ein Typ wie Gojira (später des weltweit leichter Sprechbaren wegen in 'Godzilla' umgetauft) muß sich ja angemessen furcheinflößend Gehör verschaffen.

Den Tontechnikern bei TOHO gelang der große Wurf: Daß Emmerichs Godzilla heute noch genauso brüllt wie vor über 40 Jahren beweist nicht nur das richtige Gespür für monströse Laute, sondern auch zeitlose Eleganz.

Und das ganz ohne großen Aufwand: Eine dicke Klaviersaite wurde mit einem Lederhandschuh in Schwingung versetzt. Der dabei entstandene Laut wurde anschließend per Tonband verlangsamt und bekam so das charakteristische tiefe Knarzen.
Alles in allem läßt sich bescheiden feststellen: nicht zuletzt durch eine aufsehenerregende Marketingkampagne schlug "Gojira" ein wie eine Bombe und wurde als einer der erfolgreichsten japanischen Filme sogar ins Ausland verkauft, wo er wiederum für volle Kassen sorgte, was hierzulande überraschte.

MueckensticheStatt sich nämlich aufwendiger Tricksequenzen zu bedienen, zwängte sich für 'Gojira' einfach jemand in ein Monsterkostüm (der Mann, der am häufigsten in dem 50-Kilo-Kostüm schwitzte und es dort nie länger als maximal 3 Minuten aushielt, hieß Haruo Nakajima) und haute spielzeuggroße Modelle von Panzern und Wolkenkratzern zu Klump.

Das war nicht nur billiger, das wirkte auch so, was angesichts der angepeilten düsteren Stimmung des Erstlingswerkes nicht ganz ohne Risiko war.

Daß es klappte, lag vor allem an einem Trick, den auch Roland Emmerich herzhaft ausschlachtet. Godzilla taucht(e) vornehmlich nachts in strömendem Regen auf, was die Miniaturen weniger miniaturhaft erscheinen ließ. Dazu ein bißchen Zeitlupe... fertig war der monströse Eindruck.

Groesse!Nach dem Erfolg von "Gojira" versuchten es die TOHO-Leute ein Jahr später mit "Gojira no Gyakushu" ("Godzilla kehrt zurück") gleich noch mal.

Zwar immer noch schwarzweiß, dafür aber auch schon etwas weniger ernst; es durfte auch mal gelacht werden, obwohl es insgesamt beim düsteren Ton des Erstlings blieb.
Der Koloß entwickelte sich, bekam mehrmals neue Kostüme angepaßt, bei denen aber immer -das gehörte wohl zur Grundausstattung- der Gummifuß hochknickte, wenn er auf ein Plastikmodell trat, das etwas stabiler geraten war, als vorgesehen.

Guten TagDie Storys wurden von mal zu mal abgedrehter. Anfang der 70er Jahre, längst in Farbe und und bester Freund aller Kinder und Kinogänger, prügelte er sich nach Herzenslust mit Monstern von außerhalb (irgendwo aus den Tiefen des Weltalls), geschickt von Invasoren und alle in Godzis Gewichtsklasse zu Hause. Der Comic-Charakter war endgültig Gesetz.

Nach 10 Jahren Pause kehrte er 1985 zurück. Wieder ganz der Alte -sprich: der schlecht gelaunte Alleszerstörer, nur tricktechnisch besser drauf -aber immer noch aus Gummi und überlebte noch einmal 10 Jahre, dann verbrannte er endgültig zu radioaktiver Asche.

Endgültig?

Nein. Nur das Gummikostüm.

Promo-PlakatDer Hollywood-Godzilla ist ganz aus Bits and Bytes (bis auf eine kleine Szene am Madison Square Garden, wo der gute alte Kostümtrick zum Einsatz kommt), ist dabei gelenkiger, cleverer, schneller und weitaus bedrohlicher -wobei Felix ehrlich zugeben muß, daß die Raketenbestückten Hubschrauber und Jets mehr Zerstörung anrichten, als die Kreatur, die in Manhattan (Insel mit vielen Verstecken) lediglich einen Nistplatz sucht.

Godzilla lebt! Und das seit 1954 in momentan (1998) 23 Kinofilmen. Dagegen sind die Kinoabenteuer eines gewissen britischen Geheimagenten ein Klacks -nicht nur ist der 7 Jahre jünger... mit 18 Filmen auch weitaus weniger beschlagen!
Welcome Back, geliebtes Monster!
"Godzilla" - Die Kinoserie

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