Happy End

Familie Laurent betreibt eine boomende Baufirma ? das Fundament des Erfolgs aber bröckelt: Die resolute Patriarchin und Chefin Anne, mit dem Anwalt Lawrence Bradshaw verheiratet, hat ihren Sohn Pierre zum Managing Director gemacht, doch der ist bei weitem nicht kompetent genug für seine Aufgabe. Auch rein privat gibt es Probleme: Annes Bruder Thomas (Mathieu Kassovitz), ein Arzt, der ebenfalls in der Mehrgenerationen-Villa wohnt, soll sich plötzlich um seine zwölfjährige Tochter Eve kümmern ? die zieht zu ihm, nachdem ihre Mutter versucht hat, sich umzubringen. Eve fühlt sich in ihrer neuen Umgebung mit dem Papa und dessen neuer Frau Anaïs samt Kleinkind einsam und fremd. Dann unternimmt auch Georges (Jean-Louis Trintignant), der grantige alte Vater von Anne und Thomas, einen Selbstmordversuch...

Vergeben und Vergessen sind die Sache von Michael Haneke nicht, dem unbarmherzigsten und unbestechlichsten aller Chronisten der Condition Humaine. Mit "Das weiße Band" und "Liebe" hatte er seine Meisterschaft perfektioniert und war mit jeweils einer Goldenen Palme belohnt worden. Fünf Jahre hat es gedauert, bis der mittlerweile 75-Jährige in München geborene Österreicher, der seit fast zwei Jahrzehnten aus Frankreich heraus arbeitet, zurückgekehrt ist, wieder mit einer internationalen Koproduktion, bei der von deutscher Seite X Filme beteiligt ist. "Happy End" lautet der vielversprechende Titel, denn was darf man von einem Haneke-Film mit einiger Sicherheit nicht erwarten? Einen glücklichen Ausgang. Wie man sofort merkt, dass man sich in einem Film des Regisseurs befindet. Seine Lieblingsschauspieler hat er um sich versammelt, Isabelle Huppert und Jean-Louis Trintignant, neben ein paar neuen Akteuren, neben Mathieu Kassovitz und Toby Jones auch der Deutsche Franz Rogowski. Um die sorgfältig gehüteten Geheimnisse eines Familienklans in Calais geht es. Die Flüchtlingskrise ist allgegenwärtig, spielt für die Handlung aber nur eine untergeordnete Rolle, auch wenn sich explizit alles um Flucht drehen mag. Wenn man denn von einer Handlung sprechen kann. Als wüsste er selbst genau, dass er die Eleganz und Präzision von "Liebe" nicht noch einmal toppen könne, ist "Happy End" eher ein Essay, eine Ansammlung von Skizzen und Fragmenten, dem es weniger darum zu gehen scheint, noch einmal auf Teufel komm raus eine Palme gewinnen zu wollen, sondern noch einmal Positionen und Aussagen zu behandeln und bestärken. Der Film fühlt sich wie ein Abschied an. Wenn schon nicht von Haneke - wer weiß -, dann doch von dem großen Jean-Louis Trintignant, der in diesem Jahr 87 wird und zerbrechlich aussieht, durchsichtig, als wäre er schon fast nicht mehr da, aber doch immer noch die Präsenz besitzt, dass man ihm unweigerlich zusieht, wenn er im Bild ist. Es mag sich noch viel mehr tun in "Happy End", Männer mit perversen Fantasien, an sich selbst scheiternde Söhne, eiskalte Matriarchen - und vor allem eine Enkelin, die nicht nur vor Mord und Suizidversuchen nicht zurückschreckt, sondern ihr Verhalten - "Bennys Video" und "Funny Games" lassen grüßen - auch noch mit Kommentaren auf ihrem Smartphone festhält. Aber im Grunde geht es doch um den alten Mann, der - wie die anderen auch - ein Gefangener ist, dem aber nach einem gescheiterten Selbstmord im Auto die Möglichkeit genommen ist, sich seinen noch verbliebenen Wunschtraum zu erfüllen, weil er an den Rollstuhl gefesselt und handlungsunfähig ist. In einem Geständnis seiner Enkelin gegenüber offenbart er sich als der Mann in "Liebe", der seine kranke Lebensgefährtin erstickte. Und nun will er ein Happy-End, das sich womöglich in dem pittoresken blauen Meer findet, das auf dem Poster zu sehen ist, das einen in Cannes seit Tagen anlacht. Und in Wahrheit verspottet. ts.

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Cast

Kino 1

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
251 (+ 2 Sitzplätze für Behinderte) 12,90 x 5,50m Dolby Digital 5.1

Kino 2

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
161 (+ 2 Sitzplätze für Behinderte) 9,70 x 4,10m Dolby Digital 5.1

Kino 3

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
161 (+ 2 Sitzplätze für Behinderte) 9,70 x 4,10m Dolby Digital 5.1

Kino 4

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
161 (+ 2 Sitzplätze für Behinderte) 9,70 x 4,10m Dolby Digital 5.1

Kino 5

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
161 (+ 2 Sitzplätze für Behinderte) 9,70 x 4,10m Dolby Digital 5.1

Open Air

Sitzplätze Leinwand Soundsystem