Drei Zinnen

Lea (Bérénice Bejo) ist seit zwei Jahren nicht mehr mit dem Vater ihres Sohnes Tristan (Arian Montgomery) zusammen. Sie ist glücklich in ihrer neuen Beziehung mit dem Architekten Aaron (Alexander Fehling), er und sein achtjähriger Stiefsohn verstehen sich gut. Auf dem Papier ist Aaron. Ein Mann, der in der Natur überleben und Klavierspielen kann, ein erstklassiger Ersatzpapa. Dann aber fährt die kleine Patchworkfamilie gemeinsam in den Urlaub. Auf einer abgelegenen Holzhütte am Rand von Südtirol wird Tristan wütend, hat keine Lust mehr, sich mit seinem Stiefvater zu arrangieren. Lea setzt alles daran, dass die Ferien nicht verdorben werden. Aber nachdem Aaron vergeblich versucht hat, von Tristan akzeptiert zu werden, wächst die Abneigung zwischen den beiden. Die Situation in den Bergen spitzt sich dramatisch zu...

Intensives Psychodrama über drei Menschen, die ein Aufenthalt in einer Hütte zur Familie zusammenschweißen soll. Handelt es sich bei den Drei Zinnen in den Dolomiten um drei separate Berge oder um einen Berg mit drei Gipfeln? Diese Frage, gestellt von einem Mann an einen Jungen, scheint töricht und unbedeutend. Und doch steht sie im Zentrum von "Drei Zinnen", dem zweiten Spielfilm des Berliner Regisseurs Jan Zabeil, wie in "Der Fluss war einst ein Mensch" wieder mit Alexander Fehling in der Hauptrolle, der so direkt und offensichtlich selten zur Sache kommt. Was nicht heißt, dass das herausragende Psychodrama, das in Locarno mit dem Prix Piazza Grande ausgezeichnet wurde, keine klare Sprache sprechen würde. Meistens hält es der Regisseur nur nicht für nötig, das Publikum mit der Nase darauf zu stoßen, was er sagen will. In diesem einen Fall tut er es dennoch. Weil es genau darum geht: Sind Aaron, Lea und Tristan nun eine Familie - oder nicht? Kann es dem Deutschen Aaron gelingen, der seit zwei Jahren mit der Französin liiert ist, ein Vater für den neunjährigen Jungen sein? An Aaron und seinem ehrlichen Bemühen um den Jungen kann es nicht scheitern. In den ersten Szenen sieht man, wie er, dieser Vorzeigemann, attraktiv, sportlich, selbstbewusst, verständnisvoll, aufmerksam - kurz: perfekt! -, dem Jungen das Schwimmen beibringt. Ein gemeinsamer Aufenthalt in einer abgelegenen Berghütte in Südtirol soll die fragilen Familienbande zusätzlich festigen, soll aus den drei Bergen einen Berg mit drei Gipfeln formen. Immer wieder scheint es zu gelingen. Bei einer gemeinsamen Bergwanderung haucht Tristan dem neben ihm schlafenden Aaron "Papa" zu, und der beseelte Gesichtsausdruck von Fehling in diesem Moment ist unbezahlbar. Doch es ist nur eine Momentaufnahme. Denn da ist noch eine vierte Figur, die sich nur per Telefon einschaltet und dessen Worte man nicht hören kann, ihre Wirkung dagegen schon: Tristans Vater lässt seinen Sohn mit seinen gut gemeinten Anrufen niemals vergessen, dass er auch noch da ist. Als würde er eine Landkarte des Herzens vermessen, etabliert Zabeil die Situation, in der sich seine drei handelnden Figuren befinden, während sie sich vor den prächtigen Bergmassiven, die Zabeil einsetzt wie einst Raoul Walsh, ihrer Gefühle klar werden müssen. Dann erst setzt sich die Handlung in Bewegung, die einen mächtigen Sog entfacht: Als Aaron und Tristan bei einem ihrer Ausflüge getrennt werden und sich neben nicht vereinbarer Gefühle auch noch eine massive Nebelbank zwischen sie schiebt, wird aus dem psychologisch fein austarierten Drama ein Horrorfilm, allerdings mit ganz anderer Stoßrichtung und anderem Ausgang, als man es erwarten würde. Schon bei "Der Fluss war einst ein Mensch" haben Zabeil und Fehling Extremsituationen ausgelotet. Eine Reise ins Herz der Finsternis ist nun auch ihre zweite Zusammenarbeit geworden. Für den Berliner Filmemacher markiert sie einen Quantensprung. Und auch Fehling bietet sich eine wunderbare Gelegenheit, seine attraktive Erscheinung in den Dienst der Darstellung eines Mannes zu stellen, der besser und perfekter nicht sein könnte und dennoch zum Scheitern verurteilt ist. Der französische Superstar Bérénice Bejo kann weniger glänzen als noch vor Kurzem in ihrer nicht gänzlich anderen Rolle in "Le passé", aber wichtiger ist Arian Montgomery, der den neunjährigen Tristan, gefangen zwischen drei Erwachsenen und drei Sprachen, einfach umwerfend spielt, als unschuldiges, neugieriges und schließlich auch überfordertes Kind, das zum Todesboten wird. ts.

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Bewertung:

Cast

Kino 1

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
120 (+ 2 Sitzplätze für Behinderte) 7,80 x 3,30m Dolby Digital 7.1

Kino 2

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
120 (+ 2 Sitzplätze für Behinderte) 7,80 x 3,30m Dolby Digital 7.1

Kino 3

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
120 (+ 2 Sitzplätze für Behinderte) 7,80 x 3,30m Dolby Digital 7.1

Kino 4

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
120 (+ 2 Sitzplätze für Behinderte) 7,80 x 3,30m Dolby Digital 7.1

Kino 5

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
287 13,50 x 5,80m Dolby Digital 7.1

Kino 6

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
287 13,40 x 5,80m Dolby Digital 7.1

Kino 7

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
73 6,90 x 2,90m Dolby Digital 7.1

Kino 8

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
408 14,30 x 6,10m Dolby Digital 7.1

Kino 9

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
211 11,80 x 5,00m Dolby Digital 7.1

Kino 10

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
211 11,80 x 5,00m Dolby Digital 7.1

Kino 11

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
478 15,50 x 6,60m Dolby Digital Atmos