Nocturnal Animals

Die erfolgreiche Galeristin Susan Morrow erhält von ihrem ehemaligen Ehemann, der vor Jahren mit ihr gebrochen hatte, die Druckfahnen für dessen neuen Roman, "Nocturnal Animals" - so hatte er sie einst genannt. Deshalb glaubt sie auch, es könnten sich verdeckte Botschaften in dem brutalen Thriller über eine Familie, die mitten in der Wüste von ein paar Rednecks überfallen und drangsaliert wird, befinden. Nur ist Susan nicht ganz klar: Will der Ex Rache an ihr nehmen, oder sucht er die Annäherung?

Brillant verschachtelt erzählter Thriller über eine Galeristin, die glaubt, ihr Ex-Mann wolle ihr mit seinem neuen Roman etwas Wichtiges sagen. Sieben Jahre ließ Tom Ford verstreichen, um seinem gefeierten Filmdebüt "A Single Man" eine weitere Regiearbeit folgen zu lassen. Hatte seine Verfilmung von Christopher Isherwoods Schlüsselroman mit seinem exquisiten Look, ausgewählter Ausstattung und makellosen Kostümen noch ganz der Erwartung entsprochen, die man von einem Film des High-Class-Fashion-Gurus haben mochte, über den Colin Firth sagte, er habe an ihm nie auch nur eine Falte oder einen Fussel gesehen, erweist der Amerikaner sich hier, bei der selbstadaptierten Verfilmung des Romans "Tony und Susan" von Austin Wright, als Genrefilmemacher mit Haut und Haar. Was nicht heißt, dass nicht auch "Nocturnal Animals" himmlisch aussehen würde, perfekt komponiert und mit einem Höchstmaß an Geschmack und Stil umgesetzt ist. Aber während der Erstling nie die Welt der Schönen und Reichen verließ, ist der neue Film nun ein regelrechter Höllenritt, der die Möglichkeiten eines schmutzigen B-Thrillers ähnlich innovativ ausschöpft, wie es auch einem David Lynch gelingt, dessen "Lost Highway" ein offensichtlicher Referenzpunkt ist. Tatsächlich beginnt auch Fords zweiter Film in der Welt, die ihm vertraut ist: Im Mittelpunkt steht die Kunstgaleristin Susan Morrow, deren immenser Erfolg nicht verbergen kann, dass sie spirituell wie auch emotional in einer Sackgasse steckt. Die allerersten Bilder des Films sind in Großaufnahme, Zeitlupe und einem hyperrealen Look festgehaltene Frauen: splitterfasernackte Frauen, alt, übergewichtig, verwelkt, vernarbt, unperfekt, aber ungebrochen in ihrem Stolz, wie sie, zurechtgemacht, wie Schönheitsköniginnen auf der Stelle tanzen. Ein kruder, krasser Abgesang auf die Vereinigten Staaten von Amerika ist das, der sich über die Dauer der Titelsequenz erstreckt, dann aber als Installation einer dekadenten Vernissage entpuppt. In ihr fühlt sich Susan ebenso verloren wie in ihrem Leben in ihrer Luxusvilla, wo sie Tagträumen nachhängt, während ihr bildschöner Mann anderswo fremdgeht. Als sie ein Päckchen von ihrem Ex-Mann erhält, der sie vor 20 Jahren verlassen hatte, ist ihr Interesse geweckt. Es enthält die Fahnen von dessen neuen Roman, "Nocturnal Animals" - so hatte er Susan einst liebevoll genannt - und sie beginnt sich zu verlieren in der erschütternden Ballade eines Mannes, der unerbittlich Jagd auf die Schurken macht, die ihn nachts auf einem einsamen Highway anhielten, schlugen und seine Frau und minderjährige Tochter missbrauchten und ermordeten. Je weiter Susan eindringt in diese unnachgiebig blutrünstige Rachegeschichte, desto mehr scheint ihr bewusst, ihr Ex schreibe ganz direkt über sie und versuche, nach all den sprachlosen Jahren wieder Kontakt aufzunehmen. Aber was genau will er? Damit dieses gewagt verschachtelte Konstrukt, das nahtlos zwischen - natürlich ebenfalls inszenierter - Realität und Fiktion wechselt, funktionieren kann, muss zunächst einmal die Pulp-Geschichte funktionieren, eine Art "Ein Mann sieht Rot", in dem sich Jake Gyllenhaal als Mann, dem der Boden unter den Füßen weggezogen wurde, mit einem von Michael Shannon brillant gespielten Cop zusammentut, um seine Rache zu bekommen. Abgesehen von einer gewissen Länge im letzten Akt, ist diese Geschichte im Film so stark, dass man wohl allein für sie ein Kinoticket lösen würde. Aber natürlich geht es Ford letzten Endes um die Figur der Susan, um den Zusammenhang von Erleben und Erzählung, um das Nach-Außen-Stülpen des Innenlebens einer Frau am Rand des Nervenzusammenbruchs, es geht um Katharsis, Erfüllung und Sinnhaftigkeit. Und um die allerletzte Szene, mit der sich Amy Adams in die Annalen der Filmgeschichte einschreibt. Der Film beginnt mit Aufsehen erregenden Bildern, er hat Momente fast unerträglicher Spannung, eine geniale Szene mit Laura Linney als Susans Society-Mom, erschütternde Enthüllungen. Aber am Ende zählt nur diese letzte Szene. Und die ist meisterlich. ts.

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Bewertung:

Cast

Manhatt.

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
92 7,50 x 4,50m Dolby Digital 5.1

Graffiti

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
92 6,00 x 3,70m Dolby Digital 5.1

Casabl.

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
90 4,80 x 2,25m Dolby Digital 5.1

Broadw.

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
196 6,80 x 4,20m Dolby Digital 7.1

Kino 1

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
110 9,56 x 4,05m Dolby Digital 7.1

Kino 2

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
110 9,56 x 4,05m Dolby Digital 7.1

Kino 3

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
110 9,56 x 4,05m Dolby Digital 7.1

Kino 4

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
151 10,62 x 4,49m Dolby Digital 7.1

Kino 5

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
199 12,63 x 5,30m Dolby Digital 7.1

Kino 6

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
463 19,06 x 8,05m Dolby Digital Atmos

Kino 7

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
106 9,64 x 4,08m Dolby Digital 7.1

Kino 8

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
106 9,64 x 4,08m Dolby Digital 7.1

Kino 9

Sitzplätze Leinwand Soundsystem
106 9,64 x 4,08m Dolby Digital 7.1